Drittklässlern die Katastrophe näher gebracht

Wickedes früherer Bürgermeister Hermann Arndt in der Melanchthonschule: In Wickede gab es keinen Alarm

Ein Güterwaggon vorm Haus, fernab der Schienen, Häuser, von denen nur noch einzelne Wände wie ein Gerippe stehen: Die verheerenden Bilder aus Wickedes Haupt- und Ringstraße am Morgen nach der Möhneflut lösten bei den Drittklässlern der Melanchthonschule staunende Ausrufe aus. Langsam hatte Ex-Bürgermeister Hermann Arndt bei seinem Vortrag die 61 Grundschüler an das Thema der Möhnekatastrophe herangeführt. Die geschichtliche Zeitreise begann er mit dem Thema „Schule, wie sie früher war.“

Einerseits erfragte Arndt den Kenntnisstand der Kinder von der damaligen Zeit, zum anderen zeigte er mit Fotos und persönlichen Erlebnissen aus seiner Volksschulzeit in der jetzigen Engelhardschule die Gegensätze zwischen damals und heute auf. Lehrerinnen gab es kaum,und die strengen Lehrer griffen schnell zum Rohrstock. Nach der Schule ging’s ins Wickeder Strandbad an die Ruhr. Dass diese Idylle von dem 20 Kilometer entfernten Möhnedamm gestört werden konnte, den die Kinder übrigens alle kennen, wurde den Schülern erst durch die Bildergalerie richtig deutlich.

Das Trommelwehr, den Erlenhof und den Lindenhof, vor dem der Waggon angespült worden war, erkannten die Kinder sofort. „Der Wasserdruck war so stark, der hat die Waggons vor sich hergeschoben“, erläuterte Arndt zur gewaltigen Kraft der Flut. Vor allem aber: „Die Menschen haben nichts geahnt, in Wickede gab es keinen Fliegeralarm“.

Auch warum die Flutwelle gerade in Wickede so schlimme Folgen hatte, erklärte Arndt. Denn durch den Haarstrang auf der einen und den Echthauser Berg auf der anderen Seite gab es einen Engpass fürs Wasser, das dadurch im Bereich Ring- und Erlenstraße um so mehr Druck entwickelte.

Dass die Briten mit der Möhnebombardierung die  Wasserzufuhr des Ruhrgebiet und damit die dortige Waffenindustrie treffen wollten, erläuterte Arndt ebenso, wie die Entwicklung der Rollbomben und die Taktik, in einer Mondnacht in nur 50 Metern Höhe den Angriff vorzunehmen. Auch, dass die Royal Airforce mit diesem Angriff die Chancen erkannten, nach Deutschland zu fliegen und Städte zu bombardieren, dass wie z.B. in Dortmund nach der Möhnekatastrophe dann kein Löschwasser für die brennenden Häuser zur Verfügung stand, erläuterte Arndt.

Doch fügte er auch  hinzu, dass nach nur einem halben Jahr der Möhnedamm wieder aufgebaut, in Wickede als Übergangslösung eine Holzbrücke über die Ruhr errichtet und auch die Waffenindustrie nicht nachhaltig getroffen war, beleuchtete er – das eigentliche Ziel der Möhnebombardierung wurde demnach nicht erreicht, schlussfolgerten die Drittklässler.

Vorstellen können sich  die Kinder einen Krieg nicht, und damit dies auch nicht eintritt, mahnte Arndt: „Ihr seid es, die für eine friedliche Zukunft sorgen können!“.

Mit  herzlichem Dank für den bildreichen Vortrag wurde er von Schulleiterin Delia Heck verabschiedet. Nach der Einladung zur heutigen Gedenkfeier richtete sie das Schlusswort an die Kinder: „Jeder von uns ist mitverantwortlich, dass Frieden bleibt. Jeder  einzelne!“.

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